08.01.11

Zum 60. Todestag von Gustav Zeitzschel am 8. Jan 2011

Nach seiner aktiven Bühnenlaufbahn, über die diese Website Auskunft gibt, widmete sich Gustav Zeitzschel dem Tonfilm und dort speziell dem Singfilm. Zu seinem 60. Todestag 1951 - in der schweren Nachkriegszeit - stellen wir hier seine Aufzeichnungen über die Orte an denen er an Opernhäusern und Theatern engagiert war, gastierte und die Orte die er mit den Delog Produktionen 'Deutsche Lichtspiel-Opern" und "Singfilmen" bereist und bespielt hat ...


13.02.09

Spielzeit 1905/06: Besetzungen am Neuen Theater Nürnberg und am Stadttheater Fürth

Vom Stadtarchiv Nürnberg erhielten wir mit Datum 9. Februar 2009 folgende Listung der Aufführungen in denen Gustav Zeitzschel besetzt wurde.

Sehr geehrter Herr Martin,
nachfolgend nennen wir Ihnen wir Ihnen die Partien und Stücke, die Gustav Zeitschel in der Spielzeit 1905/06 am Neuen Theater Nürnberg und am Stadttheater Fürth besetzte:

Zinngießer Walter Zorn in Die Meistersinger von Nürnberg (R.Wagner)

Graf Almaviva in Der Barbier von Sevilla (G. Rossini)

Prinz Erich in Jung-Heidelberg (C. Millöcker)

Wilhelm Meister in Mignon (A. Thomas)

Siebel in Margarethe (Gounod)

Marquis von Chateauneuf in Zar und Zimmermann (A. Lortzing)

Walter von der Vogelweide in Tannhäuser (R. Wagner)

Alfred Germont in La Traviata (G. Verdi)

Jäger Max in Der Freischütz (C. M. von Weber)

Der zweite brabantische Edle in Lohengrin (R. Wagner)

Der Arbeiter Hans in Die schwarze Nina (A. Kaiser)

Tamino in Die Zauberflöte (W. A. Mozart)

Gesangslehrer Alfred in Die Fledermaus (J. Strauss)

Ritter Hugo von Ringstetten in Undine (A. Lortzing)

Erster Gefangener in Fidelio (L. van Beethoven)

Bois Rosé in Die Hugenotten (G. Meyerbeer)

Tudor in Mariora (G. C. Cosmovici und K. Schmeidler)

Baron Kronthal in Der Wildschütz (A. Lortzing)

Narrabeth in Salome (R. Strauss)

Fenton in Die lustigen Weiber von Windsor (O. Nikolai)

Quelle:
StadtAN C 45/III Nr. 330 (Besetzungszettel Neues Theater Nürnberg und Stadttheater Fürth, 1905/06)

04.09.08

Fundstelle Brasilien: Gustav Zeitzschel (1868 - 1951)

In Brasilien auf revistaevidencia.com.br finde ich meinen Großvater Gustav und in sehr vornehmer Gesellschaft. Schade, dass wir/ich bisher noch keine Aufnahmen aus seiner langjährigen Opern- und Sängerkarriere entdecken konnte...

Nun ja, und Portugiesisch verstehe ich auch nicht:

"Com posição de destaque entre os maiores tenores que a humanidade já teve, ao lado de celebridades como Gustav Zeitzschel, Plácido Domingo e Enrico Caruso, Luciano Pavarotti representa a força maior da popularização da ópera no mundo ocidental contemporâneo. Suas inúmeras apresentações ao longo de mais de quarenta anos de atuação como tenor foram cruciais para a divulgação das obras de compositores clássicos como Verdi, Schubert, Puccini, Donizetti, Massenet, entre outros."

Ein Freund hat das für mich jetzt teilweise übersetzt:

...In hervorragender Stellung unter den grössten Tenören, welche die Menschheit schon gehabt hat, an der Seite von Berühmtheiten wie Gustav Zeitzschel, Placido Domingo und Enrico Caruso, stellt Luciano Pavarotti die große Stärke zur Popularisierung in der zeitgenössischen westlichen Welt dar ...

Eintrag vom 4-September-2008

02.05.08

Nach 1951

Am 13. März des Jahres 1956 ist Gustav's zweite Frau Anna Dunst in Ebern verstorben. Nach der Auflassung des alten Friedhofs von Helmstadt, steht die Gedenktafel für Gustav Zeitzschel und den in Polen in den ersten Tages des Krieges gefallenen Sohn Hans, auf der Grabanlage von Anna Zeitzschel, geborene Dunst, in Ebern.

02.04.08

1945 - 1951 Krankheit und Abschied

Im Herbst 1945 beschlagnahmten die amerikanischen Besatzer die Würzburger Wohnung und Gustav und Anna mußten Würzburg verlassen und fanden eine Bleibe in Teilheim bei Schweinfurt (Umzug zum 1.10.1945). Bis Frühjahr 1947 wohnte Gustav Zeitzschel und seine Frau Anny in Theilheim bei Schweinfurt und hoffte auf eine baldige Freigabe und Rückkehr in die Würzburger Wohnung. Doch daraus wurde nichts, die Rückgabe durch die Amerikaner erfolgte erst im Jahr 1956.

Als seinem Schwiegersohn Hans Martin im Frühjahr 1947 eine Lehrerstelle in Helmstadt zugewiesen wurde und die räumlichen Verhältnisse im Schulhaus dies zuließen, verließen Gustav und Anny Z. Theilheimer und bezogen am 16.03.1948 in Helmstadt bei Würzburg die kleine Dachwohnung (Hausnummer 131)  - die Familie war wieder vereint.


Das ehemalige Schulhaus mit Lehrerwohnung (Aufnahme ca. 2008)

Als Sänger unterstützte Gustav Z. den neu gegründeten Kirchenchor (Organist und Chorleiter Hans Martin) und den Helmstädter Männergesangsverein Melomania (Dirigent: Hans Martin). Dort sang er und seine Tochter Lilo (und Andere) die Solopartien in einem von Hans Martin umgearbeiteten Singspiel der Lortzingoper 'Zar und Zimmermann'.



Gustav Zeitzschel an seinem 82. Geburtstag -
gezeichnet vom Kampf gegen den Krebs (1.02.1950)






























Gustav Zeitzschel im Kreise seiner Familie (Silvester 31.12.1950)





Gustav Zeitzschel starb am 8. Januar 1951 in Helmstadt bei Würzburg



und fand seine letzte Ruhe auf dem Helmstadter Friedhof.

Gustav Zeitzschel's letzter Wunsch war, dass bei seiner Beerdigung am Grab der Choral Nr. 72 aus der Matthäus Passion (BWV 244) von Johannes Sebastian Bach erklingt:

Wenn ich einmal soll scheiden,
so scheide nicht von mir!
Wenn ich den Tod soll leiden,
so tritt du dann herfür!
Wenn mir am allerbängsten
wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten
kraft deiner Angst und Pein.

Erscheine mir zum Schilde,
zum Trost in meinem Tod
und laß mich sehn dein Bilde
in deiner Kreuzesnot!
Da will ich nach dir blicken,
da will ich glaubensvoll
fest an mein Herz dich drücken.
Wer so stirbt, der stirbt wohl.

02.03.08

1939 - 1945 Überleben

Die Naziherrschaft, die Judenverfolgung und der Ausbruch des 2. Weltkriegs haben Gustav Zeitzschel und seine Familie ins Mark getroffen und viele Hoffnungen zerstört. Viele jüdische Freunde und Förderer haben Deutschland verlassen, andere wurden schikaniert und viele deportiert und Konzentrationslager eingewiesen. In den ersten Wochen des 2. Weltkriegs wurde Hans Martin, der Sohn von Gustav und Anny Zeitzschel schwer verwundet und ist wenige Tage später am 13.09.1939 in Łódź (Polen) verstorben und dort auch begraben worden.

Eine tiefe Religösität hat damals den Eltern und der Schwester Lilo geholfen, diesen Schicksalschlag zu tragen. Und sie haben sich vor allem kirchenmusikalisch engagiert. Im Kirchenchor der Johanneskirche, dem Kirchenchor von Unsere Liebe Frau und dem Chor der Hofkirche zu Würzburg. Dort hat Lilo auch ihren späteren Ehemann Hans Martin kennengelernt, der dort bis zum Beginn des Krieges als Organist tätig war.



Die Brauteltern mit ihrer Tochter Lilo und dem Bräutigam Hans Martin (Juli 1942)



Anna Dunst und Gustav Zeitzschel



Gustav Zeitzschel zu Besuch in Jena (1940)

02.02.08

1931 - 1938 Den Unterhalt der Familie sichern

Den Unterhalt der Familie und das Studium des Sohnes Hans und der Tochter Lilo sicherte Gustav Zeitzschel nun hauptsächlich durch seine Tätigkeit als Gesangs- und Klavierpädagoge in Nürnberg, Schwabach und Würzburg. Daneben gab er gelegentlich Konzerte und Liederabende und sang in Kirchenchören der jeweiligen Wohnorte mit – in Würzburg, dem Chor der Johanneskirche und der Hofkirche.

Seine Tochter Lilo bildete er zur Bühnen-, Konzert- und Kirchensängerin aus und bereitet sie auf die Aufnahmeprüfung - im zarten Alter von 15 Jahren - und ihr Studium ab 1936 am Konservatorium in Würzburg vor.


Seine aktive Sängerkarriere beendete er am 15. April 1938 nach mehr als 3.600 Auftritten - in der Rolle des Petrus und Pilatus - mit der Johannes-Passion von Heinrich Schütz an der St. Johanniskirche in Würzburg.
























Nach 40 Jahren Sängertätigkeit - von 1898 - 1938 - hat Gustav Zeitzschel, jetzt wohnhaft in Würzburg, Friedenstr. 17, ein Verzeichnis über seine Opernengagements, Operngastspiele, Konzerte, Oratorien, Soloquartetten, Opern- und Singfilm-Tourneen in Deutschland, Österreich und der Schweiz erstellt.

Für Interessenten steht das Verzeichnis mit rd. 500 Aufführungsorten hier bereit.

Nach dem Umzug nach Würzburg im Herbst 1936 hatte sich Gustav Zeitzschel auch hier einen stattlichen Kreis an Schülerinnen und Schüler für Gesang und Klavier aufgebaut. Es verging kein Tag an dem er nicht seine Stimmübungen ausführte und kaum ein Tag an denen er nicht mit der Familie und Freunden musizierte.  



















Gemeinsames Musizieren gehörte beiden  Zeitzschel's zum Alltag (Aufnahme 1937)
Vorne: Anny + Gustav Zeitzschel,
Hinten, von links: Robert Sauerwein, Christian Stöcker, Hans + Lilo Zeitzschel

02.01.08

1918 Heirat mit Anna Theresia Dunst

Am 7. Februar 1918 heiratete Gustav Zeitzschel in Berlin Anna Theresia Dunst (*1885 - †1956).



Mit Anna Dunst hatte Gustav zwei Kinder. Hans Rudolf (*1918 - †1939) und Liselotte Charlotte (Lilo) (*1921).

1913 - 1931 Deutsche Lichtspiel-Oper / Deutsche Singfilm und Gastrollen

Feste Engagements an einem Opernhaus blieb Gustav Zeitzschel nach Chemnitz versagt. So blieben gelegentliche Übernahmen von Gastrollen, die Erinnerungen



und der Aufbruch in eine neue Zeit.

Die Zeit der Vorläufer des Tonfilms ...


1915 engagierte Karl Otto Krause von der Delog, Deutsche Lichtspiel-Opern Gesellschaft Gustav Zeitzschel als Opernsänger für ihre innovativen Singfilme nach dem Beck’schen Patent von 1911.

Erst als Gesangsstar und später als Direktor der deutsch-österreichischen Künstlergesellschaft organisierte er Gesang-Film-Tourneen in Deutschland, Österreich und der Schweiz und sang in zahlreichen

Filmopern
u.a. Cavalleria rusticana, Der fliegende Holländer, Der Freischütz, Der Waffenschmied, Die Lustigen Weiber von Windsor, La Traviata, Lohengrin, Martha (1916), Margarethe, Undine;

Filmoperetten
u.a. Nur auf den Bergen wohnt das Glück, Wer in der Jugend nicht küsst; sowie

Sing-Filmspiele
und Volksfilme u.a. Das Herz am Rhein, Du Mädel vom Rhein, Ich hatt' einen Kameraden ...













bis die Durchsetzung des Lichttontechnikverfahrens des Tobias-Klangfilm-Systems und
die sich stetig verbessernde Tonqualität diese Aufführungsart mit Live-Chor und Orchester um 1931/1932 ins Hintertreffen gerat und 1933 ganz hinfällig wurde.

Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1920, Seite 924

Gustav Zeitzschel "Gastier"
Berlin SW, Lichterfelder Str. 5

Singfilme - Filmografie

Sing-Film GmbH

1920    Rheinzauber
            Regie: Joseph Max Jacobi, Drehbuch Carlo Emerich

1920/   Banditen
1921    Regie: Max Agerty, Drehbuch: Carlo Emerich

1921     Die Strandnixe
             Regie: Max Agerty, Drehbuch: Kurt E. Weckwarth

1921     In einem kühlen Grunde
             Regie: Max Agerty, Drehbuch: Hans Felsing

1922     Du Mädel vom Rhein
              Regie: Hans Felsing

1922     Am Brunnen vor dem Tore
             Regie + Drehbuch: Hans Felsing

1923     Nur auf den Bergen wohnt das Glück
             Regie + Drehbuch: Hans Felsing

1923     Ich hatt' einen Kameraden
              Regie + Drehbuch: Hans Felsing

1924     Barfüßele. Ein Schwarzwaldidyll
             Regie: Heinrich Lisson, Drehbuch: Hans Felsing

mehr zur Sing-Film GmbH, Berlin


Georg Enders-Film GmbH, Berlin

1925    Im Krug zum grünen Kranze
            Regie: Heinrich Lisson, Drehbuch Hans Felsing

1925    Das Herz am Rhein
            Regie: Heinrich Lisson, Drehbuch Hans Felsing

mehr zu Georg Enders-Film GmbH, Berlin

Ausgewählter Literatur


Der deutsche Musikfilm: Archäologie eines Genres 1914-1945
von Michael Wedel
1. Auflage 2007 (Dissertation, Uni Amsterdam 2005)
476 Seiten, broschiert
ISBN 978-3883778358
Verlag edition text + kritik

Positionen deutscher Filmgeschichte:
100 Jahre Kinematographie: Strukturen, Diskurse, Kontexte

von Michael Schaudig (Herausgeber, Mitwirkende, Einleitung),  Evelyn Hampicke (Mitwirkende), Christiane Heuwinkel (Mitwirkende), Herbert Birett (Mitwirkende), Sabine Lenk (Mitwirkende), Jürgen Kasten (Mitwirkende), Wolfgang Mühl-Benninghaus (Mitwirkende), Michaela Krützen (Mitwirkende), Michael Truppner (Mitwirkende), Andrea Naica-Loebell (Mitwirkende), Klaus Kanzog (Mitwirkende), Kirsten Burghardt (Mitwirkende), Jürgen Felix (Mitwirkende), Oliver Jahraus (Mitwirkende), Andreas Rost (Mitwirkende), Peter Schott (Mitwirkende), Elisabeth Miltschitzky (Mitwirkende), Petra Grimm (Mitwirkende), Dieter Wiedemann (Mitwirkende), Knut Hickethier (Mitwirkende)
1. Auflage 1996
508 Seiten, broschiert
ISBN 978-3926372079
diskurs film

MusikSpektakelFilm
Musiktheater und Tanzkultur im deutschen Film 1922-1937

(CineGraph Buch)
von Hans-Michael Bock (Herausgeber), Wolfgang Jacobsen (Herausgeber),
Jörg Schöning (Herausgeber), Katja Uhlenbrok (Herausgeber) 

1. Auflage 1998
174 Seiten, broschiert
ISBN 978-3883775982
Verlag edition text + kritik


Als die Filme singen lernten. Innovation und Tradition im Musikfilm 1928-1938
(CineGraph Buch)
von Hans-Michael Bock (Herausgeber), Wolfgang Jacobsen (Herausgeber), Jörg Schöning (Herausgeber), Malte Hagener (Herausgeber), Jan Hans (Herausgeber)
1. Auflage 1999
222 Seiten, broschiert
ISBN 978-3883776149
Verlag edition text + kritik

02.12.07

1909 - 1913 am Stadttheater in Chemnitz

Von 1909 (Neueröffnung am 4. September) – 1912 war Gustav Zeitzschel als lyrischer (und Spiel-)Tenor am Neuen Stadttheater in Chemnitz engagiert.


Neues Stadttheater Chemnitz (September 1909)
Quelle: Andreas-Praefcke.de

Direktion: Richard Jesse, Richard Tauber, sen. (1912)
Musikalischer Leiter / Kapellmeister: Oscar Malata (u.a.)
Spielleiter / Regie: Fritz Diener (u.a.)






 

Aus seinem Rollen-Repertoire in Chemnitz

Carmen (Don José)
Der Barbier von Sevilla (Graf Almaviva)
Der fliegende Holländer (Der Steuermann Dalands)
Der Freischütz (Alfred)
Die Entführung aus dem Serail (Belmonte)
Die Meistersinger von Nürnberg (Kunz Vogelgesang, Kürschner)
Der Rosenkavalier (Haushofmeister, Sänger, Wirt)
Don Juan (Oktavio)
Faust / Margarethe (Faust)
Fidelio (Florestan)
Hoffmanns Erzählungen (Hoffmann)
Lohengrin (Erster Edler von Brabant)
Romeo und Julie (Romeo)
Tannhäuser (Walther von der Vogelweide)
Troubadour (Manrico)
Wildschütz (Graf Kronthal)
Zauberflöte (Tamino)

Ausgewählte Kritiken

Chemnitz (29. Oktober)
Verdi Troubadour, Manrico

... Und Herr Zeitzschel ein lyrischer Tenor, wie wir ihn nicht allzu oft in unserem Ensemble gehört haben; sicher, mit geschmeidiger und weicher, fast samtener Stimme, die auch die für einen Spieltenor ungewohnten Anstrengungen der Manricorolle glänzend aushielt und sich in der Stretta, wie im Schlusse zu imponierender Höhe aufschwang.


Aus der Kritik der Dresdner Zeitung (13. April 1905)
Zauberflöte, Tamino

Als Tamino in Mozarts Zauberflöte gastierte Herr Gustav Zeitzschel vom Nationaltheater in Berlin mit recht günstigem Erfolge, leider jedoch, wie man hört, nicht auf Engagement. Herr Zeitzschel hat Stimme und kann singen. Sein Organ ist, wie es scheint, auch kräftig und tragfähig genug, es käme nur auf eine weitere Probe an, ob er in großen Ensembleszenen Chor und Orchester zu beherrschen vermag. Die Bildnisarie geriet bis auf einige allzu nasal bzw. gaumig klingende Töne ganz vortrefflich, auch im weiteren Verlauf der Oper büßte die Stimme nichts an tenoralem Schmelz ein, und seit langem haben wir eine lyrische Partie nicht mehr so schön singen gehört, wie am Dienstag. Er übertrifft in mehr als einer Beziehung Herrn Saville.


1913 verlor Gustav Zeitzschel sein Engagement in Chemnitz an den noch jungen Richard Tauber, der seinen Stelle als Solist, für ein deutlich geringeres Honorar, übernahm. Richard Tauber sen., ab 1912 Direktor des Chemnitzer Stadttheaters, ebnete den Weg für diesen Wechsel.

Gastpiele und Konzerte

Dazu kamen vor, während und nach dieser Zeit zahlreiche Gastspiele u.a. in

- Offenbach a. M.
- Hoftheater in Altenburg,
- Kgl. Hoftheater in Dresden (Semper Oper),
- Sommeroper in Stralsund, etc.




Aus dem Fotoalbum von Gustav Zeitzschel

Wohnadresse: Gustav Zeitzschel, Weststr. 53, Chemnitz (1912)

02.11.07

1906 - 1909 am Stadttheater in Freiburg im Breisgau

Von 1906 – 1909 war Gustav Zeitzschel als lyrischer Tenor am Stadttheater in Freiburg im Breisgau engagiert. Theaterleitung ??, GMD Gustav Starke.



Foto: Georg Röbcke (1910) Quelle: badische-zeitung.de


Freiburger Tagblatt vom 14. Oktober 1907
Carmen, Don José

Als Don José nahm Herr Zeitzschel durch sichere musikalische und schauspielerische Haltung für sich ein und auch gesanglich bot er Erfreuliches. Im Duett des ersten und in der Arie des zweiten Aktes zeichnete sich der Ton durch Weichheit und Geschmeidigkeit aus. Den rächenden José wußte Herr Zeitzschel mit manchen gelungenen Strichen zu zeichnen.


Breisgauer Zeitung vom 29 Oktober 1906
Barbier von Sevilla, Graf Almaviva

Den unbestreitig großen gesangstechnischen Anforderungen des Werkes kam der Almaviva des Herrn Zeitzschel schon besser entgegen. Das heikle Figurenwerk war mit sichtlichem Fleiße herausgearbeitet. Das von dem Sänger mit Glück angewandte mezza voce, sowie das schon früher konstatierte lebendige Spiel wirkten unbedingt erfreulich.


Freiburger Tagblatt vom 18. September 1907
Der Freischütz, Max

Den Max sang Herr Zeitzschel und bot mit dieser Partie weit die beste bisherige Leistung. Mit seiner frischen Stimme, welche männlich und voll erklang, mit warmen Ausdruck brachte er die große Arie zu schöner Wirkung, wie er der ganzen Partie ein richtiges Gepräge lieh; warmherzig, ein wenig sentimental - doch ohne Weichlichkeit.


Fidelio, Florestan

Eine gleichfalls erfreuliche Überraschung bot Herr Zeitzschel als Florestan. Derselbe gab eine sehr respektable Talentprobe. "In des Lebens ..." bewegen sich die ferneren Darbietungen des Sängers in demselben crescendo weiter, so haben wir noch recht Gutes von ihm zu erwarten.

Freiburger Tagblatt vom 14. Oktober 1907
Carmen, Don José

Als Don José nahm Herr Zeitzschel durch sichere musikalische und schauspielerische Haltung für sich ein und auch gesanglich bot er Erfreuliches. Im Duett des ersten und in der Arie des zweiten Aktes zeichnete sich der Ton durch Weichheit und Geschmeidigkeit aus. Den rchenden José wußte Herr Zeitzschel mit manchem gelungenen Strichern zu zeichnen. Stadttheater Freiburg im Breisgau - eröffnet 1823 Sitzplätze für ca. 850 Personen

Wohnadresse: Gustav Zeitzschel, Zasiusstr. 42, 79102 Freiburg (Bühnen Jahrbuch 1907)

02.10.07

1905 - 1906 am Neuen Stadttheater in Nürnberg

Von 1905 (Neueröffnung)  – 1906 war Gustav Zeitzschel als lyrischer Tenor am Neuen Stadttheater in Nürnberg, unter Leitung von Hofrat Richard Balder.



Aus Nürnberger und Fürther Zeitungen
Barbier von Sevilla, Graf Almaviva

Einen wackeren Grafen Almaviva stellte der lyrische Tenor Herr Gustav Zeitzschel in die Szene; milde, sympathische und dabei in Umfang und Stärke ausgiebige Stimme mit gefälligem Spiel rückten den Grafen Almaviva in den Vordergrund.

Einen tüchtigen lyrischen Tenor lernten wir in Herrn Gustav Zeitzschel kennen; die Stimme besitzt Kraft und Fülle in der Höhenlage, wie vollständig ausgeglichene Register der Mittelpartie bei überaus symphatischer Klangfarbe. Das Spiel zeigt dramatisches Leben und charakterisiert Stimmung der Szenen und jede wechselnde Empfindung der Helden.

Der hochnotpeinlichen Prüfung sind also hier in erster Linie die Solisten ausgesetzt und es kann mit Freude anerkannt werden, daß sie gestern samt und sonders gut bestanden haben. Es waren tüchtige Künstler von guter Schulung und Erfahrung, Leute die zu singen verstehen und in erster Linie bestrebt sind, dem Zuhöhrer einen Genuß fürs Ohr zu bereiten. Die größeren Herrenrollen sangen Gustav Zeitzschel ... mit bestem Gelingen.

Wohnadresse: Luitpoldstr. 13, 90402 Nürnberg (Bühnenjahrbuch)

02.09.07

1904 - 1905 am Nationaltheater Berlin

Mitte 1904 (und bis zum vorzeitigem Ende des National-Theaters im Sommer 1905) wechselte Gustav Zeitzschel als lyrischer Tenor an das Nationaltheater am Weinbergsweg, Berlin. Es wurde am 29. September 1904 neu eröffnet und stand unter der Direktion von Hugo Becker (ehem. Mit-Direktor des Theater des Westens) und des Kapellmeisters Wilhelm Reich.



Quelle: Berliner Telefonbuch 1905


Verschiedene Berliner Zeitungen (2. Oktober 1904)
Wildschütz, Graf Kronthal

Aus der recht undankbaren Rolle des Barons Kronthal holte Herr Zeitzschel mit seiner gewandten Spielweise und schmiegsamen Tenorstimme heraus, was da zu holen ist.

Von den Solisten ist Herr Gustav Zeitzschel zuerst zu nennen. Sein wohlklingender, mühelos ansprechender Tenor erfreit durch Gleichmäßigkeit der Tongebung in allen Lagen, und die Textbehandlung läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, ohne daß das Legato irgendwie darunter litte. Die Darstellung ist bereits ganz gewandt, so daß der Gesamteindruck dieser Leistung (Graf Kronthal) ein entschieden günstiger war.
Aus der Kritik der Dresdner Zeitung vom 13. April 1905
Zauberflöte, Tamino

Als Tamino in Mozarts "Zauberflöte" gastierte Herr Gustav Zeitzschel vom Nationaltheater in Berlin mit recht günstigem Erfolge, leider jedoch, wie man hört, nicht auf Engagement. Die Bildnisarie geriet ... ganz vortrefflich, auch im Verlauf der Oper büßte die Stimme nichts an tenoralem Schmelz ein, und seit langem haben wir eine lyrische Partie nicht so schön singen gehört, wie am Dienstag. Er übertrifft in mehr als einer Beziehung Herrn Saville.

Nürnberger / Fürther Zeitung: 1905
Barbier von Sevillia, Almaviva

Einen tüchtigen lyrischen Tenor lernten wir in Herrn Gustav Zeitzschel kennen; die Stimme besitzt Kraft und Fülle in den Höhenlagen, wie vollständig ausgeglichene Register der Mittelpartie bei überaus sympatischer Klangfarbe. Das Spiel zeigt dramatisches Leben und charakterisiert Stimmungen in Szenen und jede wechselnde Empfindungen des Helden.




Über das Becker'schen Nationaltheater Berlin

"Das National-Theater in Berlin, als volkstümliche Opernbühne von Dir. Hugo Becker zu Beginn des Herbstes [A.d.V.: 1904] ins Leben gerufen und nicht ohne künstlerische Erfolge geleitet, schließt seine erste Spielzeit, welche zugleich die letzte ist. Auch der vorübergehende Eintritt des Herrn Dir. Leopold Müller aus Wien in die Direktion hatte nicht verhindern können, daß das Unternehmen nicht in der gehofften Weise prosperierte, woran wohl die Lage des Theaters am Weinbergsweg, und die der Oper nicht günstige Beschaffenheit des Raumes wesentliche Schuld trugen. Das zum größten Teil durch mehrjährige Verträge gebundene Personal löst sich auf. Als Possenbühne unter dem Namen Walhalla Theater [A.d.V.: Walhalla Varité-Theater] wird das Haus am 1. Oktober [A.d.V.: 1905 - 1914] wieder geöffnet."


Quelle: "Neuer Theater-Almanach für das Jahr 1905"
            der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger  (Seite 132)

02.08.07

1902 - 1904 am Hoftheater in Weimar



Ab Ende 1902 und bis Mai 1904 war Gustav Zeitzschel als lyrischer Tenor am Hoftheater Weimar, unter dem Intendanten Hippolyt von Vignau und dem Hofkapellmeister Rudolf Krzyzanowski, engagiert.




Weimarische Zeitung (28. Oktober 1902)
Die Tochter des Regiments, Tonio, Offizier
 
Unser vielversprechender lyrischer Tenor, Herr Zeitzschel, der durch seine Gesangskunst, nicht zum wenigsten durch sein hohes C glänzte und sowohl auf offener Szene, als ganz besonders nach dem Aktschlusse wohlverdienten, stürmischen Beifall erntete, der sich zu lauten Hervorrufen steigerte.

Weimarische Zeitung vom 18. November 1902
Der Postillon von Lonjumeau

Seiner graziösen Musik und zahlreicher komischer Pointen wegen wird der "Postillion" immer ein dankbares Publikum finden, besonders aber, wenn eine Bühne das Glück hat, in der Titelrolle einen so vortrefflichen "Ritter vom hohen C" wie Herrn Gustav Zeitzschel zu besitzen.

Weimarische Zeitung vom 18. November 1902
Hoffmanns Erzählungen, Hoffmann (6. Dezember 1902)

Herr Zeitzschel hatte als Hoffmann eine sehr anspruchsvolle Aufgabe zu erfüllen und er hat dieselbe in höchst anerkennenswerter Weise gelöst. In der Darstellung ist der junge Künstler schon bedeutend freier geworden, und an Übung hat es ihm auch nicht gemangelt. Die Gestalt des Hoffmann dürfte man sich wohl etwas gereifter vorstellen, als sie Herr Zeitzschel versinnbildlichte. Die Tongabe des Sängers ist leicht und gefällig, das hohe C macht ihm keine Schwierigkeiten. Die Fülle des Tones wird sich jedenfalls noch verstärken, im Duett mit Giulietta wurde die Stimme Hoffmanns mehrfach verdeckt. Die Gesamtleistung des Herrn Zeitzschel war eine treffliche, so daß wir an derselben rechte Freude hatten.

Weimarische Zeitung (Januar 1903)
Tannhäuser, Walter von der Vogelweide

Herr Zeitzschel sang hier zum ersten Male den Walther von der Vogelweide und traf in Ton und Ausdruck den tugendhaften Minnesänger recht gut. Interessant war es bei diesem Sängerkampf auch, die Stimmen unserer hervorragendsten Tenöre einmal so unmittelbar neben einander zu hören.

Weimarische Zeitung (15. April 1903)
Die verkaufte Braut

Herr Zeitzschel schmetterte die hohen Töne heraus, daß es eine Freude war. Die sentimental angehauchte Stimmung des Hans traf er gut, gab aber auch in den neckischen Szenen, z.B. in der Auseinandersetzung mit dem Heiratsvermittler, hübsche Proben seines Humors.


Wohnadresse: Grunstedterstr. 15, [heute: Richard-Wagner-Str. 15] 99423 Weimar

02.07.07

1901 - 1902 am Stadttheater in Aachen

Ab 1902 war Gustav Zeitzschel als lyrischer Tenor am Stadttheater in Aachen engagiert ...




Frankfurter General-Anzeiger vom 10. Oktober 1901
Martha, Lyonel

Unser junger lyrischer Tenor, Herr Zeitzschel, der leider in letzter Zeit fast gar keine Beschäftigung mehr fand, sang dieser Tage in Aachen auf Engagement und wurde sofort für dorten verpflichtet. Er kreierte den Lyonel in Flotows Martha und errang einen vollen Erfolg.

Aachen - Diverse Zeitungen

Martha, Lyonel (10. Oktober 1901)

In der gestrigen Aufführung stellte sich als Lyonel Herr Zeitzschel als Debut vor. Der Künstler hinterließ einen recht wohltuenden Gesamteindruck. Sein Organ spricht in der Mittellage leicht an, hat einen angenehmen, abgerundeten Klang, der sich in der Höhe erbreitert und befestigt. Seine Arie sowie das Finale des dritten Aktes gelangen ihm vortrefflich. Sein Spiel gestaltete er im Anfang zu süßlich, später raffte er sich zu größerer Entschiedenheit auf.

Die Tochter des Regiments, Tonio, Offizier

Herr Zeitzschel kann die Rolle des Tonio zu seinen besseren zählen. Als junger Schweitzer sowohl wie als Offizier des Regiments entwickelte der natürliche Behendigkeit und ausreichenden militärischen Anstand. Wichtiger jedoch war es, daß seine gesangliche Vorbereitung eine gute war und ihm im Finale des ersten Aktes den Beifall des Hauses in verdienter Weiße zutrug. Möchte der Künstler so weiter fortschreiten

Don Juan, Don Oktavia (8. Februar 1902)

Auch Herr Zeitzschel befand sich in derselben glücklichen Lage. "La musique de Mozart est bien trop difficile pour le chant" sagte einst Kaiser Josef im Jahre 1788 dem Oberstkämmerer Grafen Rosenberg. Wie Herr Zeitzschel den Don Oktavio sang, klangschön und erwärmend, geschmackvoll im Vortrag und mit brillanter Atemführung, kann er mit Recht ein gut gehäuftes Maß der Anerkennung heischen.

Die Entführung aus dem Serail, Belmonte

Als gewiegter Mozartsänger präsentierte sich diesmal Herr Zeitzschel als Belmonte. Sein bel canto war durchgehends anerkennungswerth, die mit Koloraturen reich verbrämten Arien wußte er stilgemäß, ebenso sauber in der Technik, wie sinngemäß im Vortrag zu wirkungsvollem Ausdruck zu bringen.

Herr Zeitzschel (Belmonte) hatte einen guten Tag. Im Spiel machte er sich redlich Mühe, sein Gesang klang so korrekt und lag dem Organ so bequem, daß man ihm volles Lob zollen darf. Der Vortrag der zweiten Arie konnte geradezu meisterhaft genannt werden.



Johannes Passion (1902)

Die Besucher wurden gefesselt von der mit epischer Würde vorgetragenen Partie des Evangelisten (Herr Zeitzschel). Die bedeutendste Solopartie des Evangelisten und es gehört ein routinierter Sänger dazu, sich bis zum Schluß Frische und Ausdauer zu bewahren. Unser Mozartsänger Herr Zeitzschel verstand durch warmen Ton und wohlklingendes legato die Zuhörer für sich einzunehmen.


Stadttheater Aachen - Wiedereröffnung nach vollständigem Umbau Sitzplätze für 1.100 Personen

Wohnort: Camphausbadstraße 27, Aachen
Deutscher Bühnenverein, Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger, Berlin - 1902.

Aus der Zeitschrift Die Musik (1902)

Kritik: Oper  (Seite 1223)

WEIMAR: 

Den Premieren seiner Werke „Kain'' und „Abreise*', die im März, ersteres in vorzüglicher Besetzung (Kain: Gmür), am Hoftheater in Scene gingen, wohnte d'Albert selbst bei und wurde zwölfmal hervorgerufen. Man fühlte so recht, was Weimar in ihm verloren. Dass der stürmische Beifall auch den Werken selbst galt, bewies die Reprise. Als Manrico gefiel Zeitzschel-Aachen. Er ist für nächste Saison engagiert. 

Dr. Heinss. 

02.06.07

1900 - 1901 am Stadttheater in Frankfurt a. M.

Nach seiner Rückkehr aus Afrika widmete sich Gustav A. Zeitzschel sich dann ganz seiner künstlerischen Laufbahn als erster lyrischer Tenor, anerkannter Mozartsänger, Konzert und Oratoriensänger. Dem Wunsch der Familie nach einer soliden Ausbildung, war ja genüge getan.

Gustav Zeitzschels hauptberufliche Sängerkarriere begann im Dezember 1900 mit einem Engagement als lyrischer Tenor am Stadttheater / Oper in Frankfurt a.M. unter dem Opernintendanten Paul Jensen, Erster Kapellmeister und Musikalische Leitung: Ludwig Rottenberg.


Die Oper am Opernplatz (um 1880)
Quelle: Wikipedia Public Domain, contributed by Philipp Cross


Aus der Kritik des Frankfurter General-Anzeiger vom 8. Dezember 1900
Zauberflöte, Tamino

Eine der erfreulichsten Neuerungen, die Intendant Jensen uns bisher geboten, war die Neubesetzung des Tamino in der vorgestrigen Aufführung der "Zauberflöte". Sie gab uns die Gewissheit, eine seltsame Spezies im Rahmen der zeitgenössischen Kunst für uns entdeckt und sofort auch verpflichtet zu sehen - die Spezies des echten und rechten Mozartsängers. Der homo novus ist Herr Zeitzschel und sein vorgestriges Auftreten in der Rolle des standhaften Prinzen ward uns, die wir seit Jahren über die Fahrten und Abenteuer auf der Suche nach einem künstlerischen Nachwuchse für die Frankfurter Oper Buch zu führen gehabt, zu einer Überraschung freudigster Art. Herr Zeitzschel ist ein Tamino, wie er seit langem nicht mehr auf unserer Bühne zu Gehör gekommen; ein ausgesprochenes Gesangstalent, dessen natürliche Leichtigkeit der Tongebung in trefflicher künstlerischer Schulung vervollkommnet worden. Dabei ist das Organ jugendlich frisch und doch herzhaft im Ausdruck; weich und geschmeidig, ohne zu süßlicher Empfindsamkeit verzärtelt zu sein; lyrisch in der Stimmung und doch männlich gefestigt im schönen Vollklang des Tones.




Aus der Kritik der Offenbacher Zeitung: 16. September 1901
Der Troubadour, Manrico

Als Manrico stand ihr Herr Zeitzschel würdig zur Seite. Der Sänger besitzt einen schönen, metallreichen Tenor, der besonders in der Höhen- und Mittellage sehr anspricht. Die weitere Ausbildung dieses Herrn, der sich auch als gewandter Darsteller zeigte, berechtigt zu den schönsten Erwartungen.

Vereinigte Stadttheater - eröffnet 1880 Sitzplätze für 1900 Personen
Wohnadresse: Gustav Zeitzschel, Reuterweg 72, Frankfurt a.M. (1901)

aus: Deutscher Bühnenverein, Berlin, Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger, Berlin, Reichstheaterkammer. Fachschaft Bühne 1901

02.05.07

1899 - 1900 In Afrika

Der ältere Cousin Gustav Zeitzschels, der Berliner Bankier Karl Zeitzschel war auch in der Deutschen Kolonialgesellschaft aktiv, u.a. als Schatzmeister, Schriftführer und Herausgeber verschiedener Schriften der Gesellschaft.



Es kann angenommen werden, dass er auch in die Kaffeeplantage Sakarre A.G. und die Usambara Kaffeebau Gesellschaft investiert hatte und nicht ganz unbeteiligt war, dass Gustav statt sich nach seiner musikalischen Ausbildung ganz der Musik zu widmen, sich von seinem Cousin Karl verpflichten, zuvor noch einmal für die Aktiengesellschaft zwei Jahre als kaufmännischer Direktor nach Afrika zu gehen.





Von 1899 bis 1900 war Gustav Zeitzschel für die 1898 gegründete Kaffeeplantage Sakarre AG, Berlin als kaufm. Direktor in Sakarre, West-Usambara / Deutsch-Ostafrika (Tansania).

08.04.07

1897 Heirat mit Maria Clara Ehrhardt

Am 12. August 1897 heiratete Gustav Zeitzschel Maria Clara Ehrhardt (* 1869 - 1934). Aus dieser Ehe stammen die Kinder Charlotte Clara Zeitzschel (*1898) und Ernst Ehrhardt Gustav Zeitzschel (*1906).





Von links: Gustav, Ernst Ehrhardt, Charlotte Clara und Maria Clara Zeitzschel

02.04.07

1887 - 1898 Ausbildung zum Bankkaufmann, bürgerlicher Beruf

Auf eindringlichen Wunsch seines Vaters – zunächst einen bürgerlichen Beruf zu
erlernen, mit welchem er später sich und eine Familie ernähren könne - absolvierte Gustav Zeitzschel

von 1887 bis 1890

eine Lehre als Bankkaufmann im Bank- und Wechselgeschäft Eduard Maass in der Berlinerstr. 64 in Charlottenburg (heute:  Otto-Suhr-Allee + Straße des 17. Juni, Berlin).

von 1890 bis 1892

war er als Kassierer im Bankgeschäft d'Heureuse & Sperle, in  der Königgrätzer Straße 108, Berlin (so genannt von 1867-1915, heute Stresemann- und Ebertstraße) tätig und

von 1892 bis 1898

als bevollmächtigter Kassierer, Oberbuchhalter, Korrespondent, etc. im Bankgeschäft seines Cousins Karl Zeitzschel in der Blücherstraße 5, Berlin.

Gesangsausbildung

Während dieser Zeit widmete sich Gustav Zeitzschel auch intensiv um seine Gesangsausbildung, u.a. bei der weltweit bekannten Opernsängerin und Gesangspädagogin Lilli Lehmann (* 24. Nov. 1848 in Würzburg; † 17. Mai 1929 in Berlin).



Source: Project Gutenberg Lilli Lehmann
How to Sing [Meine Gesangskunst] by Lilli Lehmann
Translation: Richard Aldrich



Zu Lilli Lehmann:
aus der Wikipedia.de

Sie hatte 1865 als Erster Knabe in Mozarts Zauberflöte am Deutschen Landestheater in Prag ihr Debüt, dem Engagements in Danzig, Leipzig und an der Berliner Hofoper (1870-85) folgten. Zunächst als Koloratursopran eingesetzt, sang Lehmann bald auch dramatische Partien, 1876 auf Wunsch Richard Wagners bei der Uraufführung des Rings der Nibelungen die Woglinde, Helmwige und die Stimme des Waldvogels. 1885 folgte sie einer Einladung der Metropolitan Opera (Met) in New York, wo sie als überragende Interpretin deutscher und italienischer Opernpartien gefeiert wurde.

Lehmann heiratete 1888 den Tenor Paul Kalisch (1855 – 1946). 1891 kehrte sie mit ihrer Familie nach Deutschland zurück und gehörte später wieder dem Ensemble der Berliner Hofoper an. In den folgenden Jahren gastierte sie in den USA, Paris sowie London und war als Gesangspädagogin tätig.

02.03.07

1878 - 1887 Gymnasialzeit in Berlin

Nach der Versetzung seines Vaters Gottlieb Zeitzschel von Sorau, N.L. an den neuen Bahnhof in Charlottenburg, besuchte Gustav Zeitzschel ab Sommer 1878 in Charlottenburg (bei Berlin) das renommierte Kaiserin-Augusta-Gymnasium.


Kaiserin-Augusta-Gymnasium vor 1884


Kaiserin-Augusta-Gymnasium nach dem Umbau im Jahre 1884















Aus dem Web: Schulbericht 1895 (PDF)
[Die Cauerschen Erziehungsanstalten erhielt 1876 an der Berliner Straße (Otto-Suhr-Allee) erhielt 1876 den Namen "Kaiserin-Augusta-Gymnasium". Um 1880 wurde das Schulgrundstück, auf dem zwischenzeitlich auch eine Turnhalle gebaut worden war, um einen Teil des benachbarten alten Friedhofs der Luisengemeinde erweitert.]

02.02.07

1868 - 1878 Sorau Nieder Lausitz

Gustav Adolf Zeitzschel wurde am 1. Februar 1868 in Sorau, N.L. (heute Żary, Polen) als Sohn des königlichen Lokomotivführers Gottlob Zeitzschel und seiner Ehefrau Henriette Wilhelmine, geb. Stephan geboren. Seine Geschwister Schwestern: Emilie Henriette Anna (*1870), Wilhelmine Marie (*1871), Margaretha Elisabeth Clara (*1874) sind früh verstorben.



02.01.07

Vor 1868 - die Herkunft



Gustav's Eltern: Henriette Wilhelmine, geborene Stephan und Johann Gottlob Zeitzschel

Auch wenn Gustav Zeitzschel in Sorau N.L. geboren ist, die Familie Zeitzschel lebte seit rund 400 Jahren in Naumburg.  Nach Naumburg (Saale) in Sachsen-Anhalt kamen die ersten Zeitzschel's um 1.600. Die wohl wahrscheinlichste Ableitung des Familiennamens ist Benennung als 'die von Zeitz'. Geschätzte und gut situierte Handwerker, die aus Zeitz zugewandert sind und in Naumburg sesshaft wurden.



Zeitz um 1650 (Merian)

Der erste (und zu dieser Zeit einzige) Zeitzschel im Bürgerbuch der Stadt Naumburg (Saale) ist Ambrosius Zeitzschel geboren in Klein Gostewitz und von Beruf Gerber (Jahr 1614)

Die nächste Aufstellung aus dem Jahr 1639 könnten bereits eine neue Generation dokumentieren oder aber, weitere Zuzüge (Nachzüge) der von Zeitzschel ausweisen:

Zeitzschell, Hanns, Becker - Jahr 1639
Zeitzschell, Toffel (Christoph), aus der Aue, Becker - Jahr 1642
Zeitzschell, Ambrosiy, B.S. Lohgerber - Jahr 1653
Zeitzschel, Christoph, Bäcker - Jahr 1676

Der (erste uns bekannte) Urahn des Gustav Zeitzschel, Johannes Zeitzschel. Er wurde ca. 1620 geboren, heiratete 1639 in Naumburg und ist dort 1666 gestorben. Es könnte der Hanns Zeitzschel (Beruf Bäcker) aus der obigen Auflistung sein.

Karl Gustav Andresen beschreibt in seinem Werk Die altdeutschen Personennamen in ihrer Entwicklung und Erscheinung (auf Seite 101) die Namensentwicklung wie folgt:










Da Gottlob Zeitzschel bei der königlichen Eisenbahn-Gesellschaft in den (18)60er und (18)70er Jahren in Sorau N.L. stationiert war, lebte die Familie während dieser Zeit in Sorau. Dort wurden Gustav und seine Geschwister geboren und auch getauft.